17. März 2018 Eröffnung der Sonderausstellung „Wasserburg Eschelbronn“

Eröffnung der Sonderausstellung „Wasserburg Eschelbronn"

Im Foyer des Schreiner- und Heimatmuseums eröffnete der Vorsitzende Rainer Heilmann die Sonderausstellung „Wasserburg Eschelbronn" und er durfte eine Reihe von Gästen zu dieser Veranstaltung begrüssen, deren Vorbereitung mit viel Arbeit verbunden war.
Besonders begrüsste er Bürgermeister Marco Siesing, seine Amtskollegen aus Meckesheim und Epfenbach, Maik Brand und Joachim Bösenecker sowie den Bürgermeister-Stellvertreter aus Neidenstein Helmut Kimmel. Weiterhin hieß er Alfred Götz vom Heimatverein Kraichgau und im besonderen Dr. Tilman Mittelstraß aus Regensburg willkommen, auf dessen Vortrag man gespannt war. Aus dem 230 Kilometer entfernten Kanzach war Simon Paintner-Frei angereist, er ist der Museumsleiter der dortigen Bachritterburg.
Dr.Uwe Gross vom Landesamt für Denkmalpflege war anwesend, der bei den Vorbereitungen zur Ausstellung eine große Hilfe war und auch einige Gemeinderäte und viele Heimatfreunde aus Eschelbronn und aus der Region hatten sich eingefunden.
Rainer Heilmann erinnerte an die Vorgeschichte dieser Ausstellung, als man vor über einem Jahr die Idee dazu hatte, aber keiner wußte, wohin die Reise geht. Wichtig war die Zusage von Dr. Tilman Mittelstraß, den Hauptvortrag zu halten, aber zusätzlich wollte man auch Bilder und einige Originalfundstücke präsentieren. Der Hobby-Archäologe Günter Kreß aus Meckesheim und Bürgermeister Marco Siesing stellten erste Kontakte her und auch bei der Finanzierung des Projekts gab es Unterstützung aus dem Rathaus. Von der Gemeinde wurde die Versicherung der Objekte während der Leihdauer übernommen und das ist ein nicht unerheblicher Betrag. Und auch bei der Sparkasse Kraichgau bedankte sich der Vorsitzende für eine großzügige Spende.
So konnten für die Dauer der Ausstellung, die bis zum 10. Juni läuft, sehr interessante Fundstücke gewonnen werden, die einmalige Eindrücke von der materiellen Kultur in einem langen Zeitraum vermitteln.
Für Bürgermeister Marco Siesing ist es „großes Kino", was in der ehemaligen Pausenhalle auf die Beine gestellt wurde. Es ist die erste Veranstaltung nach der Sanierung des Gebäudes und es fehle eigentlich nur noch der rote Teppich, so der Bürgermeister. Er zitierte Johann Wolfgang Goethe, der einmal sagte: „Auch aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man etwas schönes machen".
Die Erkenntnis, dass in Eschelbronn einmal eine Bachritterburg gestanden hat, ist für ihn ein wesentlicher Teil der Ortsgeschichte. Hier wohnte der niedere Adel, also nicht das Flanieren, sondern das Schaffen stand im Vordergrund. Es war ein bescheidener Reichtum und die bäuerliche Arbeit prägte das Leben.
Die Bemühungen der Mitglieder des Heimat- und Verkehrsvereins in den letzten Jahren sind für den Bürgermeister ein Beispiel für die ehrenamtliche Arbeit im Ort, für die er eine blendende Zukunft sieht.
Dann übergab er das Wort an Dr. Tilman Mittelstraß, der von der Kanzacher Bachritterburg wohl jeden Balken und jeden Nagel kennt.
Alles begann im Jahr 1971, als mit den Ausgrabungen in Eschelbronn begonnen wurde.
 Dr. Tilman Mittelstraß erläutert den Aufbau der Bachritterburg in Kanzach, die nach den Ergebnissen der Eschelbronner Ausgrabungen erstellt wurde, bis ins Detail

Als junger Student beschäftigte er sich damals mit den unerwarteten Ausgrabungsergebnissen und mit den unterschiedlichen Perioden, die die Bachritterburg in der Zeit ihres Bestehens durchlebt hat.

Die Ausgrabungen brachten Ergebnisse bis ins 12. Jahrhundert zurück, aber es wäre noch weit mehr möglich gewesen, ist Dr. Mittelstraß heute überzeugt.
In allen Einzelheiten beschrieb er, wie es zum Bau der Burg in Kanzach gekommen ist und es war von Anfang an nicht einfach, denn vom Landratsamt gab es jede Menge Auflagen.
Im Januar 2000 begannen die Aufbauarbeiten und im Juli wurde Richtfest gefeiert.

Bild:  Dr. Tilman Mittelstraß erläutert den Aufbau der Bachritterburg in Kanzach, die nach den Ergebnissen der Eschelbronner Ausgrabungen erstellt wurde, bis ins Detail

Die Einweihung der Burg fand am 24. Juni 2001 statt, das war ein großer Tag für Kanzach.
Aber auch etwas Kritik lässt Dr. Mittelstraß in seinem Vortrag durchklingen. So ist er mit der Möbilierung der Burg und auch seinen Erweiterungsbauten nicht ganz einverstanden, denn dies hätte mit dem Mittelalter nur noch wenig zu tun. Der Referent ist eher etwas skeptisch und möchte nicht alle Maßnahmen in Kanzach rechtfertigen.
Bild: Dr. Tilman Mittelstraß (rechts) und Simon Paintner-Frei (links) erhalten von Bürgermeister Marco Siesing und von Verantwortlichen des Heimat- und Verkehrsvereins ein kleines Gastgeschenk.Er räumt ein, dass es auch kritische Stimmen in Kanzach gibt und das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel" nannte es sogar einmal ein „Geldvernichtungsprogramm", was aber von Dr. Mittelstraß so natürlich nicht gesehen wird.
Aber für den Ort Kanzach sei es eine durchweg gute Sache.
„Viele Besucher aus ganz Europa werden angelockt und die Kanzacher sind zufrieden", so beschloss Dr. Mittelstraß seinen Vortrag.
Eine Reihe von Fragen schloss sich dem Vortrag an, bei denen man spürte, dass sich ein sehr fachkundiges Publikum zur Aussstellungseröffnung eingefunden hatte.
Der Kanzacher Museumsleiter Simon Paintner-Frei betonte, dass die Burg für Kanzach in jeder Beziehung ein Gewinn sei. Die 300.000 Mark, mit denen sich der 400-Einwohner-Ort an den Baukosten von 2 Millionen Mark beteiligen musste, hätten sich aus heutiger Sicht in jeder Beziehung gelohnt.

Bild: Dr. Tilman Mittelstraß (rechts) und Simon Paintner-Frei (links) erhalten von Bürgermeister Marco Siesing und von Verantwortlichen des Heimat- und Verkehrsvereins ein kleines Gastgeschenk.

Rainer Heilmann bedankte sich bei allen Beteiligten, die bei den Vorbereitungen der Ausstellung mitgewirkt haben. Viel Mühe hat sich vor allem Hans-Peter Miesel beim Zusammenstellen der Bilder und Plakate gemacht.
Dr. Tilman Mittelstraß und Simon Paintner-Frei erhielten die Schreinerschürze als kleines Erinnerungsgeschank aus dem Schreinerdorf.
Sehr zufrieden war man darüber, dass die sanierte Pausenhalle ihre erste Feuertaufe mit dieser Veranstaltung mit Bravour bestanden hat und mit der Gewissheit, an diesem Ort noch viele schöne Begegnungen erleben zu dürfen, klang der gelungene Abend beim Umtrunk, Imbiss und vielen interessanten Gesprächen aus.