01. Mai 2018 Maimarkt Rückblick

Heimat- und Verkehrsverein

7. Auftritt der Museumsfreunde auf dem Mannheimer Mai-Markt

„Bringt bloß nicht so viel mit“ mahnte Edelgard Seitz von der Metropolregion Rhein-Neckar die Museumsbetreiber aus dem Kraichgau, als diese sich aufmachten, um auf der Aktionsfläche des Mannheimer Mai-Markts einen Tag lang wieder Präsenz zu zeigen.

Die Mahnung war vergeblich, denn ganze Holzstämme brachten allein die Neidensteiner mit, um die mühsame Holzernte vergangener Tage zu demonstrieren. Dazu eine historische Kettensäge, die allerdings nicht in Betrieb genommen werden durfte. Ludwig Kress bedauerte dies, aber es war besser so. An einem riesigen Baumstumpf vom Schwarzbachufer wurde verdeutlicht, wie der heimisch gewordene Biber Baumfällungen nach seiner eigenen Methode vornimmt.

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Auch die Bürgermeister aus Eschelbronn und Meckesheim Marco Siesing und Maik Brandt schauten bei den Museumsfreunden auf dem Mai-Markt vorbei

Der Eschelbronner Möbelrestaurator Jürgen Gorzitza brachte Schrankteile aus seiner Daisbacher Werkstatt mit, die er unermüdlich mit dem „Schellack“ polierte und auf Hochglanz brachte. Diese Absonderung der indischen Lackschildlaus wird in Ethanol aufgeweicht und ein damit getränkter Polierballen lässt der Restaurator auf der Holzoberfläche kreisen. Nur wenige der Mai-Markt-Besucher, die den Fachmann bei seiner Arbeit beobachten, kannten diese Technik.

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Möbelrestaurator Jürgen Gorzitza erklärt einer Mai-Markt-Besucherin die Kunst einer Schellack-Politur

Wie ein Magnet wirkte auch in diesem Jahr gleich nebenan Bernd Pfister an seiner Drechselbank. Wenn er seine lautlose Maschine anwirft und aus einem Holzklotz die tollsten Gegenstände herstellt, dann ist ihm die Aufmerksamkeit garantiert.

Jürgen Kurz aus Epfenbach erledigte mit grosser Präzision eine Arbeit, die der verstorbene Helmut Ambiel in der Vergangenheit gerne zelebrierte. Er zeigte, wie gut kehrende Reisigbesen gebunden werden und schnitzte die scharfen Zähne für den Heurechen.

Fritz Barth und Robert Brand hatten ihre alte Schulstube aufgebaut und für jung und alt ist diese immer wieder ein besonderer Anziehungspunkt. „Das ist doch mein alter Schullehrer“ hörte man immer wieder aus den Reihen der Besucher.

Fast schon Tradition ist auch inzwischen der morgendliche Besuch im „Gläsernen Studio“ von SWR 4 Kurpfalzradio. In einer Live-Sendung befragte Moderator Andreas Fischer die Fachleute zum Thema „Holz“ und die einstündige Sendezeit hätte bei weitem nicht ausgereicht, wenn die Referenten nicht zwischendurch gebremst worden wären.

An die Bedeutung des Waldes als Quelle des Rohstoffes „Holz“ erinnerte Fritz Barth und brachte seine harten Holz-Schulbänke mit ins Spiel. „Stirbt der Wald – Stirbt der Mensch“ lautete das Fazit von Fritz Barth.

Was ein „Kienstumpe“ ist und wie die Epfenbacher zu ihren Uz-Namen kamen, erklärte Jürgen Kurz dem Laien. Diese Holzspäne, die als Lichtquelle dienen, nennt man auch die „Kerze der armen Leute“.

Was es mit dem Brauch des „Kettenbierfestes“ auf sich hat, das in den kalten Wintertagen im Wald gefeiert wurde und das in Neidenstein heute noch einmal im Jahr ins Leben gerufen

wird, darüber erzählte leidenschaftlich Ludwig Kress.

Und warum Eschelbronn das „Schreinerdorf“ ist, das wissen inzwischen zwar viele, aber Rainer Heilmann erklärte, warum das so ist. Die Einführung der Furniertechnik war ein besonderer Meilenstein für die Eschelbronner Schreiner.

Zu ihrem nächsten gemeinsamen Museumstag laden die Heimatvereine am Sonntag, 10. Juni wieder die interessierten Besucher ein.